Das frühe Konzentrationslager Neustadt galt in der Mehrheitsgesellschaft jahrzehntelang als vergessen. Insbesondere ab den 1980ern Jahren begannen Einzelne die Geschichte des Lagers aufzuarbeiten, interviewten noch lebende ehemalige Häftlinge und ihre Angehörigen, sichteten Lokalzeitungen aus der NS-Zeit, sammelten Quellen. Zu diesen Pionieren der Erinnerungs- und Gedenkarbeit zählen u.a. der Neustadter Historiker Dr. Gerhard Wunder, und die Heimatforscher Karl Fücks, Heiko Müller und Hermann Morweiser.

In den 1990er Jahren wurden mit Jugendlichen der Martin-Luther-Kirche, unter der Leitung des Religionspädagogen Eberhard Dittus, erlebnispädagogische Projekte durchgeführt. Die Ergebnisse eines dieser Projekte sind in der Broschüre „Das Geheimnis der Versöhnung ist Erinnerung – Neustadt 1933 bis 1945 – eine Spurensuche zu Stätten des Leidens, der Verfolgung, des Terrors und Widerstands“ dokumentiert. Die Broschüre ist inzwischen vergriffen; auf unserer Website ist die digitale Version zu sehen.

In Kenntnis über die außerschulische Bildungsarbeit von Herrn Dittus wandte sich im August 2000 Frau Johanna Kolewa an diesen und übergab ihm die „Liste der Insassen des Konzentrationslagers Neustadt a.d. Haardt (Kaserne) im März 1933“. Die Liste befand sich im Nachlass ihres Vaters, Johann Molter, der im Frühjahr 1933 Häftling im Lager Neustadt war. Insgesamt umfasst diese Liste 336 Namen aus mehr als 80 Pfälzer Gemeinden. Sie bildete nunmehr die Grundlage für weitere Forschungsarbeiten, die im November 2009 zur Gründung des „Förderverein Gedenkstätte Neustadt e.V.“ und am 10. März 2013 zur Eröffnung der Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt führte.

Im Rahmen von Studien zum Konzentrationslagersystem und zur Stadtgeschichte verfassten Martina Ruppert-Kelly und Hans-Georg Meyer mit Kerstin Roth wissenschaftliche Aufsätze über das frühe Konzentrationslager Neustadt. Explizit im Vorfeld der Eröffnung der Gedenkstätte wertete der Historiker Stefan Jamin auf Basis der Häftlingsliste erstmals umfangreich die lagerinternen Unterlagen (H90 58), die Gestapobestände (H91) und Entnazifzierungsbestände (R18) zu den jeweiligen namentlich bekannten Häftlingen sowie die Akten zum Nachkriegsprozess (J72 330 und 332) im Landesarchiv Speyer aus. Momentan widmet sich Miriam Breß in ihrer Promotion den „Schutzhaftgefangenen 1933/1934 in der Pfalz“. Darüber hinaus fanden im Rahmen der Mitgliederversammlungen des Fördervereins etliche historische und pädagogische Vorträge statt.

Zusätzliche bekamen wir Unterstützung von zahlreichen Landkreisen, Städten und Gemeinden in RLP bezüglich unserer Anfragen zu einzelnen Häftlingen. Insbesondere stellten uns aber vor allem zahlreiche Angehörige Material über ihre Väter, Großväter und Urgroßväter zur Verfügung. Hierfür danken wir recht herzlich. Hinsichtlich der Forschungsarbeiten gilt unser besonderer Dank Herrn Dr. Walter Rummel, dem Direktor des Landesarchivs Speyer und seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die uns großzügig unterstützt haben. Natürlich aber auch allen anderen Archiven, an denen Personen über das frühe Konzentrationslager Neustadt forschten, wie dem Archiv für Soziale Demokratie in Bonn und den Stadtarchiven Neustadt und Landau.

Haben Sie weitere Informationen oder Fragen: info@gedenkstaette-neustadt.de

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